Internationale Tagung “Populärkulturen im interkulturellen Kontext”

Die Kurt Krolop Forschungsstelle für deutsch-böhmische Literatur und der Forschungsverbund Grenze/n in nationalen und transnationalen Erinnerungskulturen zwischen Tschechien und Bayern

laden alle Interessierten herzlich zur internationalen Tagung ein

Populärkulturen im interkulturellen Kontext – am Beispiel der deutsch-tschechischen Wechselbeziehungen

27.-29.06.2019, Philosophicum, Náměstí Jana Palacha 2, Räume 301 und 104

Genauso wie die Geschichte der Populärkultur bzw. die Geschichte der Wechselverhältnisse zwischen elitären und populären Kulturformationen erfreuen sich in den letzten Dekaden auch die Genese und Wirksamkeit der Konzepte der Kanonizität vs. Popularität/Trivialität einer intensiven Aufmerksamkeit der Forschung. Diese Begrifflichkeit prägte mannigfaltige Reflexionen über die Kultur und Literatur seit ca. 1800 in ihren diversen sozial-, wirtschafts- sowie rechtshistorischen Zusammenhängen. Im Anschluss an die Diskussionen der 1960er und 1970er Jahre um die grundsätzliche theoretische und methodologische Verankerung der Populärkulturforschung setzt dabei die neuere Forschung Anregungen der kulturwissenschaftlichen Öffnung produktiv um. Im Vergleich mit der an kulturellen Kanones orientierten Kulturhistoriographie bietet die Erforschung populärkultureller Phänomene – wie auch immer sie zeitgenössisch oder vom Standpunkt der heutigen Forschung definiert werden – eine neue Profilierung der epochenspezifischen Begriffe etwa im Umfeld der aufklärerischen Bildungsideen, der Genie-Ästhetik, der neuen Auffassung des Individuums in der Empfindsamkeit, der Konzepte der Volksseele/des Volksgeistes von Herder bis zum modernen Nationalismus – bis zu den Beobachtungen der „trivialen“ Unterhaltungskultur im Kontext der Moderne und Postmoderne wie auch der Gegenwart.

Die interdisziplinäre Tagung gilt der Auseinandersetzung mit der Frage, welche Rolle die Wahrnehmungen und Reflexionen diverser Formen der Volks- und Elitenkultur und die ihnen entsprechenden Ausgrenzungen in den zwischenkulturellen Praktiken und transkulturellen Räumen im breiten zeitlichen Rahmen seit der Entstehung kultureller Öffentlichkeit im 18. Jahrhundert v.a. in der Literatur, aber auch in anderen Kulturgebieten spielen. Der Fokus ist dabei auf die Böhmischen Länder, die angrenzenden deutschsprachigen Regionen und die deutsch-tschechischen Wechselbeziehungen gerichtet. In besonderer Weise soll dabei die regionale Perspektive beachtet werden, in der die Verhältnisse von Zentrum und Peripherie und eben auch die Pole der vertikalen Kulturbetrachtung häufig anders gesehen werden, als es aus der Sicht der Kulturmetropolen der Fall ist.